Wachsam sein in unruhigen Zeiten – #WeRemember

In einer früheren Tätigkeit hatte ich die Freude, eine Begegnung zwischen Theologiestudierenden (Berufsziel Seelsorge) und zwei jungen jüdischen Mitmenschen organisieren zu können. „Meet a jew“ heißt das Projekt, „nice to meet jew“ steht auf der Homepage. Fast unbeschwert sprachen wir über den Alltag jüdischen Lebens in Deutschland. Von der Selbstverständlichkeit, wie eine*r vom Dienst in der Israelischen Verteidigungs-Armee und von der aktuellen Tätigkeit im Sicherheitsdienst vor einer jüdischen Kindertagesstätte hier im Ruhrgebiet erzählte. Beim Abschied sagte ich, dass ich beim Vorbeigehen dort ein Kribbeln im Nacken spüren werde in der Erwartung, dass eine Hand mich von hinten berühren könnte. „Aber nur, um Dich zu streicheln!“ war die liebevolle Replik darauf.

Die Werbung für den Abend sollten wir aus Sicherheitsgründen ohne die Benennung der Organisation online stellen. Gewundert hat es mich nicht, aber ich konnte mir kaum vorstellen, wie es sich für die Besuchenden anfühlen würde, zu einem öffentlich angekündigten Termin anzureisen.

Vor ein paar Wochen war in einer Reportage zu lesen, dass der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in einer deutschen Stadt die gepackten Koffer bereitstehen hat. Um den Zeitpunkt nicht zu verpassen zu gehen. Ein anderer, der sich über Jahre in Begegnungen engagiert hat, schreibt, dass ihm seit Oktober eine Frage mit vier Worten fehlen würde: wie geht es dir?

Der 27. Januar ist Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der 79. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau. Der russische Krieg gegen die Ukraine dauert 703 Tage. Über 100 israelische Geiseln sind seit 112 Tagen in den Tunneln von Gaza. Viele Demonstrationen gab es in den vergangenen Wochen, auch in Oberhausen sind Menschen aufgestanden. Vor zwei Wochen hat eine Recherche ein Geheimtreffen Rechtsradikaler aufgedeckt, bei dem „Remigration“ geplant wurde. Der beschönigende Begriff hat es zum Unwort des Jahres gebracht. #WeRemember

Spüren Sie den dringlichen Wunsch, dass menschenverachtendes und gottverachtendes Grauen NIE WIEDER geschehen möge? Wollen Sie HEUTE wachsam sein gegenüber jeder Behauptung der vermeintlichen Ungleichwertigkeit von Menschen? Dann sind Sie in der Spur des Wanderpredigers aus Nazareth, der für uns Christus ist. Schauen Sie auf Veranstaltungen zum Gedenken, stehen Sie auf für Menschlichkeit, sorgen Sie auch im Kleinen für ein gutes Klima und fragen Sie Ihre Nachbarn, wie es Ihnen geht.

Marcus Tannebaum

Pastoralreferent
marcus.tannebaum@bistum-essen.de

Platz der Guten Hoffnung 1
46047 Oberhausen

Ansprechbar für:
Café Mary & Joe (ökumenisches Kirchenzentrum am CentrO)